Beratungsstelle für Drogenprobleme e.V.
Beratungsstelle für Drogenprobleme e.V.

Außenstelle JVA-Wuppertal

Ausgangslage

Während die kurzfristigen positiven Konsequenzen des Drogenkonsums (z.B. Euphorie) für das Verhalten der Konsumenten unmittelbar motivierend sind und den Drogenkonsum verstärken und aufrechterhalten, haben längerfristig negative Konsequenzen (z.B. gesundheitliche Schädigung oder Verlust von sozialen Beziehungen) zunächst häufig wenig Einfluß auf das Verhalten der Abhängigen. Im Laufe einer Drogenkarriere nehmen jedoch die negativen Konsequenzen zu. Die Wahrnehmung dieser zunehmend aversiven Folgen des Drogenkonsums (z.B. eine Inhaftierung) und der Wunsch, diese zu vermeiden oder zu korrigieren, sind unter anderem dafür ausschlaggebend, dass Abhängige bereit sind, den Drogenkonsum aufzugeben und eine Behandlung zu beginnen.

Jedoch steht die Droge weiterhin in Verbindung mit positiven Erfahrungen und hat zudem eine wichtige Funktion im Leben der Abhängigen eingenommen. Dies kann dazu führen, dass nach Abklingen eines Teils der negativen Folgen des Drogenkonsums (z.B. Entgiftungsbehandlung) im Laufe der Beratung und Behandlung die positiven Erlebnisse des Drogenkonsums wieder hervortreten, in der Erinnerung verklärt werden und die Motivation zur Therapie beeinträchtigen.

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Das Beratungsangebot

Individuelle Schwerpunktsetzung

Das Beratungsangebot steht jedem inhaftierten Drogenkonsumenten in der JVA Wuppertal zur Verfügung. Dabei ist es nicht ausschlaggebend mit welcher Therapiemotivation und Zielvorstellung der Klient in die Beratung kommt. Ebenso wenig spielen für diesen Prozess die Höhe der zu verbüßenden Freiheitsstrafe oder Höhe der Straferwartung eine Rolle.

Neben der Therapiemotivation, die für die Aufnahme einer Therapie von zentraler Bedeutung ist, spielt die Veränderungsmotivation eine herausragende Rolle.

Voraussetzung für die Entwicklung einer Veränderungs- und damit Therapiemotivation ist ein Problembewußtsein (Precontemplation). Die Mehrheit der Klienten sehen ihren Drogenkonsum losgelöst und damit als einziges behandlungsbedürftiges Problem. Daher liegt besonders zu Beginn der Beratung der Fokus in der Auseinandersetzung mit dieser Sichtweise und das Erzeugen einer Nachdenklichkeit (Contemplation).

Wird eine Verhaltensveränderung ernsthaft in Erwägung gezogen, befindet sich der Klient in der Vorbereitungsphase (Preparation), auf die gegebenenfalls das Stadium der Handlung - im Sinne der aktiven Veränderung von Verhalten (Action) - folgt.

Der Klient befindet sich oftmals noch in der "Precontemplation-Phase", wenn die Therapie aufgrund eines äußeren Zwanges erfolgt. (vergl. Prochaska et. al. (1992)). Der Abhängige hat also in der Situation vor Gericht häufig nur die Alternative, sich für eine Freiheitsstrafe oder eine Therapie zu entscheiden - eine individuelle Überprüfung des eigenen Verhaltens steht nicht zur Disposition, denn sie ist nicht Gegenstand des Verfahrens. Eine Entscheidung für eine Verhaltensänderung gibt es also realistischerweise nicht, möglich ist dem Klienten nur die Vermeidung negativer Konsequenzen. Einfach ausgedrückt: Der Abhängige wählt das "kleinere Übel".

Durch die gemeinsam mit dem Klienten erarbeiteten individuellen Problem- und Verhaltensanalyse soll deshalb ein Veränderungsprozess bereits vor Antritt der Therapie in Gang gesetzt werden. An diesem Punkt setzt die Drogenberatung in der Haftanstalt an.

Die Zielvorstellung des Klienten ist geprägt unter anderem durch seine individuellen Erfahrungen und Erlebnisse in der Vergangenheit und Gegenwart. Aktuelle Probleme in der Partnerschaft und/ oder Familie erlebt der Klient oft als bedrohlich und baut mögliche Konflikt- oder Problemlösungen in seinen "Therapieplan" ein. Darüber hinaus nehmen auch neben der Suchterkrankung bestehende andere psychische Störungen wie z.B. Persönlichkeitsstörungen, Phobien oder posttraumatische Belastungsstörungen Einfluss auf die Erwartungen des Klienten in Bezug auf die therapeutische Behandlung.

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Suchtverständnis und Methoden

Süchtiges Problemverhalten wird als dysfunktionales, generalisiertes Problemlöseverhalten des Menschen betrachtet. Dabei büßt dieses Verhaltensmuster mit der Zeit seine Anpassungsfunktion zunehmend ein. Das Verhalten verselbständigt sich. Fortgesetztes Konsumverhalten mündet in den Teufelskreis der Abhängigkeit.

Die methodischen Grundlagen der Beratungstätigkeit bilden die Lerntheorien und verfolgt eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Rahmenkonzeption unter anderem in Anlehnung an den Selbstmanagement-Ansatz nach Kanfer. Aufgrund ihres umfangreichen Methodenrepertoires ermöglicht die Verhaltenstherapie eine Flexibilisierung und Individualisierung der Beratung und Therapievorbereitung.

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Einzelberatung

Die Einzelgespräche zu Beginn des Beratungsprozesses dienen der sorgfältigen Exploration des Klienten und dem Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung. Im weiteren Verlauf hat der Klient die Möglichkeit, über persönliche Probleme zu sprechen die für die Bearbeitung in einer Gruppe wenig nutzbringend erscheinen oder deren Thematisierung für den Betroffenen unzumutbar ist. Unter Umständen werden in diesen Gesprächen auch Aspekte der familiär-sozialen Einbettung der Problematik erarbeitet und gegebenenfalls in weitergehenden Familien- oder Paargesprächen aufgenommen. Dies geschieht selbstverständlich nur mit Zustimmung aller Beteiligten, nach Genehmigung der Anstalt und gegebenenfalls des zuständigen Gerichts.

Einzelgespräche finden in den ersten fünf Wochen regelmäßig einmal wöchentlich statt. Danach findet eine Überleitung in eine der bestehenden Gruppen "DROBS-IN" statt. Einzelgespräche können in dieser Zeit schriftlich oder auch in den Gruppensitzungen angemeldet werden.

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Gruppenangebot

Nach der Gesetzesänderung im Dezember 1996 wurde die reguläre Therapiezeit von neun auf sechs Monate verkürzt. Viele Therapieeinrichtungen reagierten auf die Einsparungen zudem mit einer Veränderung des Therapiekonzepts. Einzelgespräche werden neben der Gruppentherapie nur noch in wenigen Fachkliniken angeboten. Die eigentliche therapeutische Arbeit findet in den Klein- und auch Großgruppen statt. Um den Klienten den Einstieg in die Gruppentherapie zu erleichtern, sie an die inhaltliche Auseinandersetzung in der Gruppe zu gewöhnen, werden im Untersuchungshafthaus für Erwachsene und im Strafhaftbereich jeweils eine Gruppe, die "DROBS-IN" wöchentlich angeboten. Die Gruppenregeln ähneln denen in Therapieeinrichtungen: Es wird Stillschweigen über das Berichtete gewahrt, keine Gewalt, die Teilnehmer müssen drogenfrei und regelmäßig zu den Gruppenstunden erscheinen. Es besteht eine dreiwöchige Probezeit, nach der sich der Teilnehmer dem Votum der Gruppe stellen muss. Durch die Gruppengröße (ca. 8 - 12 Teilnehmer) ergibt sich eine Vielfalt von Möglichkeiten der Themenbearbeitung. Neben Rollenspielen, Körperarbeit (Skulpturen u.a.) finden auch imagine Techniken Anwendung.

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Rückfallbearbeitung und -prophlaxe

Aufgrund des "Externenstatus" der Drogenberatung haben die Klienten die Möglichkeit, erneuten Drogenkonsum (Rückfall) anzusprechen ohne innervollzugliche Sanktionen zu befürchten. Der Rückfall wird dann rekonstruiert und bearbeitet. Hier geht es darum, die situative Einbettung sowie interne als auch externe Auslöser, z.B. in Form spezifischer affektiv-kognitiver Vorläufer des Rückfalls herauszuarbeiten, eventuelle Scham- und Schuldgefühle des Klienten abzubauen, ihn aktiv bei der Bewältigung des "Vorfalls" zu unterstützen und ihn auf zukünftige Risikosituationen im Rahmen der Rückfallprävention vorzubereiten. Der Klient wird so zur Verantwortungsübernahme für das eigene Handeln geführt.

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Vermittlung in stationäre Therapie

Der erste Arbeitsauftrag des Ministeriums für Frauen, Familien, Jugend und Gesundheit des Landes NRW lautet: Haftvermeidung, Haftverkürzung und Haftverschonung. Daher steht die Vermittlung in stationäre Therapie unter Einbeziehung des §35 BtMG (Zurückstellung der Strafvollstreckung) im Vordergrund der Arbeit. Dabei darf jedoch der individuelle Aspekt des Klienten nicht außer Acht bleiben.

Wie auch schon in Punkt I beschrieben, "fördert" u.a. eine Inhaftierung die Bereitschaft, eine Therapie zu beginnen. Der §35 BtMG "belohnt" den Drogenabhängigen mit einer Haftverkürzung, was die Mehrheit der drogenabhängigen Inhaftierten zu dem Entschluss bringt, eine stationäre Therapie zu beantragen. Neben der oben beschriebenen Beratungsarbeit nimmt die Erstellung eines zum Teil aufwendigen Sozialberichts, die Beantragung der entsprechenden Anträge bei Staatsanwaltschaft und/oder Gericht sowie die Klientenübergabe (Therapiefahrt) viel Arbeitszeit in Anspruch. Die durchschnittliche Betreuungszeit beträgt sieben Monate vom Erstgespräch bis zum tatsächlichen Therapieantritt. In einigen Fällen ist es nicht zu verhindern, dass der Klient während der laufenden Betreuung in eine andere Haftanstalt verlegt wird.

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Vermittlung in ambulante Therapie

Neben der Möglichkeit einer stationäre Therapie besteht auch das Angebot der ambulanten Behandlung in der Drogenberatungsstelle. Nach dem BtMG kann auch die Freiheitsstrafe zugunsten einer ambulanten Therapie gem. §35 zurückgestellt werden. Dies ist jedoch nicht gängige Praxis bei den Staatsanwaltschaften. Dennoch strebt ein Teil der Betreuten nach der Haftentlassung diese Form der weitergehenden Betreuung/ Behandlung an. In den Vorgesprächen ist jedoch wichtig, den Klienten auf sein erhöhtes Maß an Selbstverantwortung und Selbständigkeit hinzuweisen und mit ihm detailliert die Entlassung vorzubereiten.

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Zusammenarbeit

Die Beratung drogenabhängiger Inhaftierter erfordert eine teilweise enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Diensten (Anstaltsleitung, Sicherheits- und Ordnungsdienst, med. Abteilung, Suchtberatungsdienst sowie allg. Vollzugsdienst) des Justizvollzugs. Dabei bleibt die erhöhte Pflicht zur Verschwiegenheit und das Zeugnisverweigerungsrecht der Drogenberater unberührt.

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Ansprechpartnerin ist Frau Gesine Dyck.
An 4 Tagen in der Woche ist sie unter der Telefonnummer 0202 9732411 zu erreichen.